*Langsam aber zielsicher bindet sich der Rohirrim in seinem Arbeitsgewand das vierte Seil um seine Hüfte und Schulter, welche allesamt quer über das Dach des Sippenheims der Govannas en Niphredil gespannt sind. Sein Blick verrät die in ihm aufsteigende Angst, als er seinen Blick wieder hoch zum Dach hebt und sich die ledernen dicken Handschuhe anzieht.
Er war es, der vor nunmehr genau einem Jahr dem Kundigen Atertir handwerklich zur Hand gegangen ist und das Sippenheim komplett neu errichtete. Damals schon waren die Dacharbeiten das Schlimmste für ihn. Sein so langes wohl gehütetes Geheimnis schien sich nun zu einem Fluch zu verwandeln, doch nun hatte er schon zugesagt und die Gemeinschaft verlässt sich erneut auf seine Fähigkeiten.
Er nimmt die hölzerne, mindestens bereits fünfmal überprüfte Leiter zur Hand und lehnt sie vorsichtig an die Hausfront an. In seinem Lederbeutel am Gürtel hängend befinden sich Hammer und Nägel und am Rücken eine große Trage befüllt mit den neuen Dachziegeln und Balken. Das letzte Jahr hatte sichtbare Spuren hinterlassen und wenn es dem Kundigen in sein Archiv tropft, dann bleibt Eoddren Baragur nichts anderes übrig.
Mit einem breiten Grinsen erinnert er sich an Atertir, als ihn dieser förmlich in sein Archiv schliff beim letzten Regen um ihm die undichten Stellen des Daches zu zeigen und das scheinbar unüberwindbare Problem, dass es womöglich auf seine Schriften tropfen könnte. Die mögliche Option einfach einen Eimer darunter zu stellen, welche ihm Eoddren präsentierte, brachte den Kundigen noch mehr in Rage und dem Rohirrim kein Entkommen mehr.
Hier steht er jetzt also, am Ende einer langer Leiter und solle das Dach ausbessern ... Eoddren, welcher eigentlich ganz und gar nicht schwindelfrei war.
Eine gefühlte Ewigkeit später hatte er die letzte Sprosse erreicht und robbte sich förmlich auf das Dach zu den undichten Stellen. Bloß nicht hinunter sehen, bloß keine falsche Bewegung. Alle paar halbe Meter fummelte er erneut an den Seilen und prüfte deren Zug und Reißfeste. Schließlich wollte er im Notfall nicht auch noch die ganzen Meter hinabsegeln wie der Dachziegel zuvor.
Mittlerweile vor sich hin fluchend, machte sich Eoddren Zentimeter für Zentimeter daran das Dach auszubessern, Vogelnester umzulegen und dem Dach wieder etwas Glanz zu verschaffen.*
"Dieser Kundige von Atertir... Spitzohr.... was erwartet man... erst sich hier aufregen und dann noch nicht mal anwesend sein. Aber Hauptsache gute Ratschläge erteilen und wie ein Putzteufel hinterher sein, dass ja kein Wasser, Unrat oder sonstiges in sein Archiv kommt. Hätt ich doch damals bloß meinen Mund gehalten... aber nein.... Herr Eoddren muss ja mal wieder zuvorkommend sein und helfen. Das hab ich nun davon... verdammte Spitzohren. Am DACH... ich bin auf einem DACH... verflucht noch einmal, dass ist eindeutig zu Hoch. Rohirrim gehören auf ein Pferd ... was haben die Stockmaß ... das größte bei 2 Meter... aber nein ich muss hier auf einem Dach von Spitzohren rumspringen. Menschen sind nicht für die Höhe gemacht..... "
*Ein unbedarfter Beobachter hätte sich dieses Gefluche wohl noch stundenlang anhören können, denn an Verfluchungen und Verwünschungen mangelte es Eoddren dieser Tage nicht. Doch wollte er sein Wort halten, egal ob er nun in gewisser Weise eine so gar nicht mehr ehrenhafte Figur robbend auf dem Dach abgab. *
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